
Es war ein kleines Erdbeben in der Theaterwelt. Nach der Uraufführung von Suzie Millers Stück Prima Facie in Australien, sahen 2022 über 300 000 Zuschauerinnen und Zuschauer die Produktion des National Theatre in London online. Als erstes Landestheater in NRW mit Gastspielen in der Region bringt nun das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel das preisgekrönte Stück auf die Bühnen.
Eine Frau und Anwältin kämpft in ihrem eigenen Vergewaltigungsfall gegen die Justiz. WLT-Intendant Ralf Ebeling inszeniert den Monolog, Schauspielerin Arikia Orbán spielt Tessa – ein Star in der Welt der Juristen, Richter, Staatsanwälte. Immer wieder gelingt es ihr, Männer, die wegen sexueller Übergriffe angeklagt sind, frei zu boxen. Sie findet die Lücken in den Anklagen und verstrickt in Kreuzverhören die anklagenden Frauen so lange in Widersprüche, bis alles zusammenbricht. Tessa wird gefeiert, alles läuft super, bis sie selbst zum Opfer wird.
Nach einer ausgelassenen Party schläft sie mit ihrem Kollegen Julian. Noch ist alles unverbindlich und leicht. Sie treffen sich wieder, haben erneut Sex. Doch später in dieser Nacht zwingt er sich ihr auf, ignoriert ihre Abwehrversuche, setzt sich durch. War das eine Vergewaltigung? Oder nur ein „Versehen“ in alkoholisiertem Zustand? Die große Frage steht im Raum: Wann ist Sex einvernehmlich, wann ist es eine Vergewaltigung? Sie zeigt es an und erfährt, wie schwer und kompliziert es ist, Recht zu bekommen.
„Das Stück stellt wichtige und diffizile Fragen. Ganz allgemein gefasst ist das Grundthema: Recht versus Gerechtigkeit. Ist das deckungsgleich? Wie sind die Rollen innerhalb eines Prozesses verteilt? Wie ändert sich das, wenn man plötzlich vom Rollenspieler oder von der Rollenspielerin zur Betroffenen wird“, erläutert Ralf Ebeling.
Ebeling setzt bei der Produktion voll auf die Stärke seiner Protagonistin und hält sein Bühnenbild bewusst schlicht. Mit wenigen Möbeln und Requisiten will er die verschiedenen Spielorte andeuten. Gemeinsam mit Hauptdarstellerin Arikia Orbán und Regieassistentin Carolin Leweling will der Regisseur den Zuschauerinnen und Zuschauern einen Abend mit Sprengkraft und Tiefe bieten. „Was ich an dem Stück wirklich sehr schätze, ist, dass es mit großer Genauigkeit geschrieben ist. Es wird sehr detailliert aus der Betroffenheit heraus erzählt. Dabei finde ich es immer gut, wenn es ein wichtiges Thema gibt, dass das Theaterpublikum packt und mit auf die Reise nimmt“, so Regisseur Ebeling.
Eine kostenlose Stückeinführung durch das Westfälische Landestheater findet am Veranstaltungstag um 19.30 Uhr in der Villa statt - eine Teilnahme ist ohne Anmeldung möglich.
Die Veranstaltung findet ohne Pause statt!
Stadthalle Delbrück
Stadthalle Delbrück
Preis: 23,90 € / erm. Schüler / Stud. 13,50 €
AK: 24,50 €