Montag, 09. März 2026
Rotzfreche Romantik - Wellen, Sturm und steife Brisen in der Stadthalle
Ins Theater geht man, fußend auf einem bescheiden gerüttelten Maß einschlägiger Bildung, mit einer Erwartung. „Matrosen-Show“ verheißt dabei fast alles zwischen seliger Hans-Albers-Gläubigkeit bis zu peinlicher Reeperbahn-Realität. Jenes wäre zu wenig, dieses zu viel für Delbrück.
Das Triumvirat aus Martin Ruppel, Leonhard Lechner und Patric Dull brachte beides – und hielt doch von beiden Befürchtungen gekonnt Abstand. Mit rundum brillantem Gesang und spritzigen Texten wussten sie einen intimen Blick zwischen die von ihnen mondial verschifften Container zu werfen. Dass in dieser natürlich unnatürlichen Männerwelt aus „Girls, girls, girls…“ ein begeisterndes „Boys, boys, boys…“ wird, wirkt nicht aufgesetzt, sondern passt einfach. Die daraus abgeleitete Erotik nimmt bei Matrosens kein Blatt vor den Mund – aber sie nehmen es auch nicht weg, dort, wo es hingehört
Dass Dalidas Elegie an ihren jungen Lover auch – fast wörtlich – aus Sicht des 18-jährigen funktioniert, selbst cross-over, war dann nur noch faszinierend. Überhaupt rissen die Adaptionen fetziger Klassiker aus Chanson und Pop das Publikum mehr und mehr mit, je länger der kurzweilige Abend dauerte. Und die umwerfenden Tanz-Einlagen im Rahmen der ohnehin quirligen Choreographie sorgten für einen abwechslungsreichen, letztlich stimmungberstenden Abend, gekrönt von kleinen, feinen, gemeinen Persiflagen auf Werbung, Elite-Partner und andere Lebenslügen.
Fragend gekommen mögen viele sein, begeistert lachend gingen sie alle. Den drei Hamburger Jungs und dem Team der Stadthalle sei’s gedankt – den Mut, so etwas in Delbrück zu zeigen, muss man erst mal haben.
Wolfgang Benesch